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Gast Tanni

Der ultimative 311te Dummlaber Fred

Recommended Posts

Für unsere  wackeren ehrenamtlichen Moderatoren:

 

Nur kein Ehrenamt

Willst Du froh und glücklich leben,
laß kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab
lehne jedes Amt gleich ab!

Wieviel Mühen, Sorgen, Plagen
wieviel Ärger mußt Du tragen;
gibst viel Geld aus, opferst Zeit -
und der Lohn? Undankbarkeit!

Ohne Amt lebst Du so friedlich
und so ruhig und so gemütlich,
Du sparst Kraft und Geld und Zeit,
wirst geachtet weit und breit.

So ein Amt bringt niemals Ehre,
denn der Klatschsucht scharfe Schere
schneidet boshaft Dir, schnipp-schnapp,
Deine Ehre vielfach ab.

Willst du froh und glücklich leben,
laß kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab
lehne jedes Amt gleich ab!

Selbst Dein Ruf geht Dir verloren,
wirst beschmutzt vor Tür und Toren,
und es macht ihn oberfaul
jedes ungewaschne Maul!

Drum, so rat ich Dir im Treuen:
willst Du Weib (Mann) und Kind erfreuen,
soll Dein Kopf Dir nicht mehr brummen,
laß das Amt doch and'ren Dummen.

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Und nun etwas für unsere  Senioren:

Mummelgreise grauend kalt
werden 100 Jahre alt.
Meistens ist die Frau gestorben.
Der Geschlechtstrieb ist verdorben.
Nur zum Pinkeln lediglich
dient der Schippeldillerich.
Nicht wie einst in feurigen Strahlen
feuern in die Urinalen.
Nein, in ganz bescheidner Ruh,
pinkeln sie sich auf den Schuh.

Wilhelm Busch
 

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Dies ist für unsere ganz besonders selbstbewussten Mitspieler:

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich;
So hab' ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp' ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff' ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Dass ich ein ganz famoses Haus.

 

Wilhelm Busch

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Hier etwas für die Forenhelden, mich eingeschlossen:

Ratschläge

Für einen schlechten Redner

Fang nie mit dem Anfang an, sondern immer drei Meilen vor dem Anfang! Etwa so:

»Meine Damen und meine Herren! Bevor ich zum Thema des heutigen Abends komme, lassen Sie mich Ihnen kurz ...«

Hier hast du schon so ziemlich alles, was einen schönen Anfang ausmacht: eine steife Anrede; der Anfang vor dem Anfang; die Ankündigung, daß und was du zu sprechen beabsichtigst, und das Wörtchen kurz. So gewinnst du im Nu die Herzen und die Ohren der Zuhörer.

Denn das hat der Zuhörer gern: daß er deine Rede wie ein schweres Schulpensum aufbekommt; daß du mit dem drohst, was du sagen wirst, sagst und schon gesagt hast. Immer schön umständlich!

Sprich nicht frei – das macht einen so unruhigen Eindruck.

Am besten ist es: du liest deine Rede ab. Das ist sicher, zuverlässig, auch freut es jedermann, wenn der lesende Redner nach jedem viertel Satz mißtrauisch hochblickt, ob auch noch alle da sind.

Wenn du gar nicht hören kannst, was man dir so freundlich rät, und du willst durchaus und durchum frei sprechen ... du Laie! Du lächerlicher Cicero! Nimm dir doch ein Beispiel an unsern professionellen Rednern, an den Reichstagsabgeordneten – hast du die schon mal frei sprechen hören? Die schreiben sich sicherlich zu Hause auf, wann sie »Hört! hört!« rufen ... ja, also wenn du denn frei sprechen mußt:

Sprich, wie du schreibst. Und ich weiß, wie du schreibst.

Sprich mit langen, langen Sätzen – solchen, bei denen du, der du dich zu Hause, wo du ja die Ruhe, deren du so sehr benötigst, deiner Kinder ungeachtet, hast, vorbereitest, genau weißt, wie das Ende ist, die Nebensätze schön ineinandergeschachtelt, so daß der Hörer, ungeduldig auf seinem Sitz hin und her träumend, sich in einem Kolleg wähnend, in dem er früher so gern geschlummert hat, auf das Ende solcher Periode wartet ... nun, ich habe dir eben ein Beispiel gegeben. So mußt du sprechen.

Fang immer bei den alten Römern an und gib stets, wovon du auch sprichst, die geschichtlichen Hintergründe der Sache. Das ist nicht nur deutsch – das tun alle Brillenmenschen. Ich habe einmal in der Sorbonne einen chinesischen Studenten sprechen hören, der sprach glatt und gut französisch, aber er begann zu allgemeiner Freude so: »Lassen Sie mich Ihnen in aller Kürze die Entwicklungsgeschichte meiner chinesischen Heimat seit dem Jahre 2000 vor Christi Geburt...« Er blickte ganz erstaunt auf, weil die Leute so lachten.

So mußt du das auch machen. Du hast ganz recht: man versteht es ja sonst nicht, wer kann denn das alles verstehen, ohne die geschichtlichen Hintergründe ... sehr richtig! Die Leute sind doch nicht in deinen Vortrag gekommen, um lebendiges Leben zu hören, sondern das, was sie auch in den Büchern nachschlagen können ... sehr richtig! Immer gib ihm Historie, immer gib ihm.

Kümmere dich nicht darum, ob die Wellen, die von dir ins Publikum laufen, auch zurückkommen – das sind Kinkerlitzchen. Sprich unbekümmert um die Wirkung, um die Leute, um die Luft im Saale; immer sprich, mein Guter. Gott wird es dir lohnen.

Du mußt alles in die Nebensätze legen. Sag nie: »Die Steuern sind zu hoch.« Das ist zu einfach. Sag: »Ich möchte zu dem, was ich soeben gesagt habe, noch kurz bemerken, daß mir die Steuern bei weitem...« So heißt das.

Trink den Leuten ab und zu ein Glas Wasser vor – man sieht das gerne.

Wenn du einen Witz machst, lach vorher, damit man weiß, wo die Pointe ist.

Eine Rede ist, wie könnte es anders sein, ein Monolog. Weil doch nur einer spricht. Du brauchst auch nach vierzehn Jahren öffentlicher Rednerei noch nicht zu wissen, daß eine Rede nicht nur ein Dialog, sondern ein Orchesterstück ist: eine stumme Masse spricht nämlich ununterbrochen mit. Und das mußt du hören. Nein, das brauchst du nicht zu hören. Sprich nur, lies nur, donnere nur, geschichtele nur.

Zu dem, was ich soeben über die Technik der Rede gesagt habe, möchte ich noch kurz bemerken, daß viel Statistik eine Rede immer sehr hebt. Das beruhigt ungemein, und da jeder imstande ist, zehn verschiedene Zahlen mühelos zu behalten, so macht das viel Spaß.

Kündige den Schluß deiner Rede lange vorher an, damit die Hörer vor Freude nicht einen Schlaganfall bekommen. (Paul Lindau hat einmal einen dieser gefürchteten Hochzeitstoaste so angefangen: »Ich komme zum Schluß.«) Kündige den Schluß an, und dann beginne deine Rede von vorn und rede noch eine halbe Stunde. Dies kann man mehrere Male wiederholen.

Du mußt dir nicht nur eine Disposition machen, du mußt sie den Leuten auch vortragen – das würzt die Rede.

Sprich nie unter anderthalb Stunden, sonst lohnt es gar nicht erst anzufangen.

Wenn einer spricht, müssen die andern zuhören – das ist deine Gelegenheit. Mißbrauche sie.

Ratschläge für einen guten Redner

Hauptsätze. Hauptsätze. Hauptsätze.

Klare Disposition im Kopf – möglichst wenig auf dem Papier.

Tatsachen, oder Appell an das Gefühl. Schleuder oder Harfe. Ein Redner sei kein Lexikon. Das haben die Leute zu Hause.

Der Ton einer einzelnen Sprechstimme ermüdet; sprich nie länger als vierzig Minuten. Suche keine Effekte zu erzielen, die nicht in deinem Wesen liegen. Ein Podium ist eine unbarmherzige Sache – da steht der Mensch nackter als im Sonnenbad.

Merk Otto Brahms Spruch: Wat jestrichen is, kann nich durchfalln.

 

Kurt Tucholsky

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Mit  der deutschen Sprache ist das ja so eine Sache:

...Es gibt ganz gewiss keine andere Sprache, die so unordentlich und systemlos daherkommt und dermaßen jedem Zugriff entschlüpft. Aufs Hilfloseste wird man in ihr hin und her geschwemmt, und wenn man glaubt, man habe endlich eine Regel zu fassen bekommen, die im tosenden Aufruhr der zehn Wortarten festen Boden zum Verschnaufen verspricht, blättert man um und liest: „Der Lernende merke sich die folgenden Ausnahmen.“ Man überfliegt die Liste und stellt fest, dass es mehr Ausnahmen als Beispiele für diese Regel gibt. Also springt man abermals über Bord, um nach einem neuen Ararat zu suchen, und was man findet, ist neuer Treibsand.   ...

Es gibt zehn Wortarten, und alle zehn machen Ärger. Ein durchschnittlicher Satz in einer deutschen Zeitung ist eine erhabene, eindrucksvolle Kuriosität; er nimmt ein Viertel einer Spalte ein; er enthält sämtliche zehn Wortarten – nicht in ordentlicher Reihenfolge, sondern durcheinander; er besteht hauptsächlich aus zusammengesetzten Wörtern, die der Verfasser an Ort und Stelle gebildet hat, sodass sie in keinem Wörterbuch zu finden sind – sechs oder sieben Wörter zu einem zusammengepackt, und zwar ohne Gelenk und Naht, das heißt: ohne Bindestriche; er behandelt vierzehn oder fünfzehn verschiedene Themen, von denen jedes in seine eigene Parenthese eingeschlossen ist, und jeweils drei oder vier dieser Parenthesen werden hier und dort durch eine zusätzliche Parenthese abermals eingeschlossen, sodass Pferche innerhalb von Pferchen entstehen; schließlich werden alle diese Parenthesen und Überparenthesen in einer Hauptparenthese zusammengefasst, die in der ersten Zeile des majestätischen Satzes anfängt und in der Mitte seiner letzten Zeile aufhört –und danach kommt das Verb, und man erfährt zum ersten Mal, wovon die ganze Zeit die Rede war; und nach dem Verb hängt der Verfasser noch „haben sind gewesen gehabt haben geworden sein“ oder etwas dergleichen an – rein zur Verzierung, soweit ich das ergründen konnte –, und das Monument ist fertig. ...

In meinem Notizbuch finde ich folgende Eintragung: 1. Juli. Im Krankenhaus wurde gestern einem Patienten – einem Norddeutschen aus der Nähe  von Hamburg – ein dreizehnsilbiges Wort herausgenommen; aber da die Chirurgen ihn höchst unglücklicherweise an der falschen Stelle geöffnet hatten (nämlich in der Annahme, er habe ein Panorama verschluckt), starb er. Das traurige Ereignis hat einen düsteren Schatten über die ganze Stadt geworfen.

Diese Eintragung liefert mir den Text zu ein paar Bemerkungen über einen der eigentümlichsten und bemerkenswertesten Züge des von mir behandelten Gegenstandes – die Länge deutscher  Wörter.

Manche deutschen Wörter sind so lang, dass man sie nur aus der Ferne ganz sehen kann. Man betrachte die folgenden Beispiele:

„Freundschaftsbezeigungen“

„Dilettantenaufdringlichkeiten“

„Stadtverordnetenversammlungen“.

Dies sind keine Wörter, es sind Umzüge sämtlicher Buchstaben des Alphabets. Und sie kommen nicht etwa selten vor. Wo man auch immer eine deutsche Zeitung aufschlägt, kann man sie majestätisch über die Seite marschieren sehen – und wer die nötige Phantasie besitzt, sieht auch die Fahnen und hört die Musik. Sie geben selbst dem sanftesten Thema etwas schauererregend Martialisches.

Ich interessiere mich sehr für diese Kuriositäten. Sooft mir ein gutes Exemplar begegnet, stopfe ich es aus für mein Museum. Auf diese Weise habe ich eine recht wertvolle Sammlung zusammengebracht. Wenn ich auf Duplikate stoße, tausche ich mit anderen Sammlern und erhöhe so die Mannigfaltigkeit meines Bestandes. Hier sind einige Exemplare, die ich kürzlich auf der Versteigerung des persönlichen Besitzes eines bankrotten Raritätenjägers erstand:

„Generalstaatsverordnetenversammlungen“

„Altertumswissenschaften“

„Kinderbewahrungsanstalten“

„Unabhängigkeitserklärungen“

„Wiederherstellungsbestrebungen“

„Waffenstillstandsunterhandlungen“.

Natürlich schmückt und adelt solch ein großartiger Gebirgszug die literarische Landschaft, wenn er sich quer über die Druckseite erstreckt; gleichzeitig jedoch bereitet er dem Anfänger großen Verdruss, denn er versperrt ihm den Weg. Er kann nicht darunter durchkriechen oder darüber hinwegklettern oder einen Tunnel hindurchbohren. Er wendet sich also hilfesuchend ans Wörterbuch, aber dort findet er keine Hilfe. Das Wörterbuch muss irgendwo eine Grenze ziehen, daher lässt es diese Sorte von Wörtern aus, und zwar mit Recht, denn diese langen Dinger sind wohl kaum rechtmäßige Wörter, sondern vielmehr Wortkombinationen, deren Erfinder man hätte umbringen sollen. Es sind zusammengesetzte Wörter ohne Bindestrich. Die einzelnen Wörter, die zu ihrem Aufbau benutzt wurden, stehen im Wörterbuch, allerdings sehr verstreut. Man kann sich also das Material Stück um Stück zusammensuchen und auf diese Weise schließlich auf die Bedeutung stoßen, aber es ist eine mühselige Plackerei. [...]

 

Mark Twain: Die schreckliche deutsche Sprache „...oder warum Mark Twain die deutsche Sprache hasste...“

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FAST AUTOBIOGRAPHISCHER LEBENSLAUF EINES WESTDEUTSCHEN LINKEN 

Diese rote Wut, die hatte er immer,

ihren Ausbruch hat er bloß meistens vermieden.
Er ging dann rüber ins gute Zimmer

 und spielte Revolutionsetüden.


Dann, in den frühen fünfziger Jahren,

als die schon wieder beim Aufrüsten waren,

an einem Samstag beim Abendgeläut,

da war es dann aber schließlich so weit:

Da hat er das schwarze Piano zerschlagen,

ist losgetrampt, durch Europa gezogen.
Hat gestohlen, gevögelt, die Laute geschlagen,

gesungen, gesoffen, geprügelt, betrogen.


Saint-Germain-des-Pres, da ist er länger geblieben.
Sartre hatte gerade den Ekel geschrieben.

Er lebte mit der Nutte Marie-Therese

und hörte sich nachts besoffen an Jazz.

 

Zurück im Deutschland der Naziväter

tat er das Billigste: Jura studieren.

Als Illustrierten- und Schulbuchvertreter

fand er die offenen Hausfrauentüren.

 

Budenzauber im Butzenscheibenstädtchen.

Mit einem der-Vater-ist-Amtsrichter-Mädchen

zog er am Samstag sogar zur Beicht,

dann durfte er manchmal - aber nur leicht.

 

Dann hörte er Oskar die Blechtrommel schlagen

und ließ sich den patzigen Schnauzschnorres stehen.

Fuhr oft mit gebrauchtem 2-CV-Wagen

zum Schiffbauerdamm,

Brechtstücke sehen.


Er glaubte an eine Parteikarriere,

zog sofort nach der Spiegel-Affaire

als Referendar in die Landeshauptstadt,

kandidierte dort als Sozialdemokrat.

 

Wer hat uns verraten, wer hat uns verraten?

Es stellten sich denen, die wirklich verfügen,

mal wieder zur Verfügung Sozialdemokraten.

Die große Verfügung begann zu siegen.

 

Und weil er noch nicht sehr weit war gekommen,

hat er das auch sehr ernst genommen,

und er meinte, er hätte sie längst bestochen.

Doch die rote Wut kam wieder angekrochen.

 

Die Pauke vom Neuss hat den Auftakt geschlagen

zu den späten sechziger Jahren.

Und er sah dann hinter den Barrikaden,

wie weit die davor schon wieder mal waren:

die Schüsse auf Dutschke, Bildzeitungshetzen,

Faschistenfaust hinter Notstandsgesetzen.

 

Die Wut wurde klarer und kalt, wurde Haß.

Hasta la victoria siempre gilt das.

 

Dem, der uns hier tat aus dem Leben erzählen,

dem müßt man jetzt aber erklären,

aus der linken Ecke knurren und bellen

tat noch nie den Klassenfeind stören.


Hassen allein, das wird nicht genügen.

Der muß schon mal rauskommen,

was tun für das Siegen.


Und da gibt es auch viel, und da fällt schon was ein.
Das muß ja nicht gleich ein Warenhaus sein.

   Aber merke:

Ein Warenhaus anzünden ist immer noch besser, als sich selbst anzünden.

 

(Dr. Franz-Josef Degenhardt)

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BELEHRUNG NACH PUNKTEN 

Befragung eines Lehramtskandidaten

im Rahmen eines Anhörungsverfahrens

durch einen Herrn aus Berlin 

ohne falschen Bart

und in Anwesenheit eines Regierungsdirektors, SPD.

Solo des Herrn aus Berlin:

Bitte, um es gleich zu sagen:

Wir sind hier für Offenheit.
Wer soviel hineingeheimnißt - 

        so Gesinnungsschnüffelei 'so weiter -

trifft die Sache nicht.
Sie zum Beispiel wollen Lehrer werden,

wollen also was von uns.

Also werden wir Sie prüfen,

ist doch logisch.
Staatsumkrempler, Radikale,

Revolutionäre mit Gehältern nach A 13

und Pensionsansprüchen

machen wir hier nicht.
Also, hier ist Ihre Akte.

Rein beruflich alles bestens.

1. Lehramtsprüfung: sehr gut.
Sind kontaktstark und belastbar,

halten sich zurück in Ihrem Urteil,

und Sie sind kollegial.

Na bitte!

Aber das genügt uns nicht;

denn hier kommt es darauf an:

Bieten Sie Gewähr, voll einzutreten jederzeit 

für diese freiheitliche und so weiter,

na Sie wissen schon!

Na, und hier in Ihrer Akte -     

das gibt's jetzt in jeder Akte -

die Bewertungskarte PPD;

das ist die politische Personaldatei.
Haben wir uns ausgedacht.
Echter Fortschritt,

Punktbewertung,

Lochkartensystem und
Praktisch wie die Verkehrssünderdatei.
Das objektiviert die Sache ganz enorm.
Damit ist der Gleichheitsgrundsatz bestens garantiert

und ist alles demokratisch, haha.


Und so funktioniert das:

Jeder Minuspunkt ein Loch,

 und ist die Minuspunktzahl von 45 dann erreicht,

dann: Juppdika und ratata:

der Datenspeicher wirft die Karte aus,

und wir wissen: Wieder mal ein Radikaler,

Bietet nicht Gewähr, voll einzutreten

jederzeit  für diese freiheitliche und so weiter,

na Sie wissen schon!

So, und jetzt zu Ihnen ganz konkret.
Und was sehn wir da zunächst mal?

Diese 20 Löchlein in der Karte.

Das sind fünfmal Ihre Unterschriften:

Gegen Rüstung

und das neue Chile

und Berufsverbote,

für das neue Portugal und

für den 1.
Mai mit Kommunisten.

 

Dazu kommen 13 Löchlein für Versammlungsstörung         

 - Zwischenrufe und so weiter -

ganz egal, ob CDU-, ob NPD-Versammlung,

darauf kommt es hier nicht an.


Und hier nochmal sieben Löcher

für 'ne Demo Umweltschutz.
Wie bitte? Unpolitisch?

Dabei sind doch immer Kommunisten.
So, das sind schon 40 Minuspunkte,

Dazu kommen Fünfe,

weil Sie in 'ner Wohngemeinschaft leben.
Nix da, nix da, das ist billiger als Einzelzimmer.
So schlau sind wir auch.
Unter einer Decke stecken, Zellen bilden,

darauf läuft das doch hinaus.
Also mach summa summarum

45 Minuspunkte,

und das heißt: Sie sind ein Radikaler,

Bieten nicht Gewähr, voll einzutreten

jederzeit für diese freiheitliche und so weiter,

na Sie wissen schon!

Na, nu lassen Sie den Kopf nicht hängen.
Ist ja noch nicht alles aus.
Hier ist nämlich ein Angebot:

Oder, warum meinen Sie, erklär' ich Ihnen alles so genau?

Vorschlag also der:

Sie hängen noch ein paar Jährchen dran,

sammeln ein paar Pluspunkte, paar schöne,

dass Sie wieder runterkommen,

so auf 10 bis 20 Minuspunkte.
Das genügt uns schon.
Na, und was Sie machen sollen?

Hören Sie sich ein bißchen um

bei Kollegen und so weiter,

was man redet und so weiter,

na, Sie wissen schon.


Halt, wo wollen Sie denn hin?

Laufen Sie nicht weg.
Läuft der raus!

Na, ich sag ja: Radikaler!

Bietet nicht Gewähr, voll einzutreten

jederzeit für diese freiheitliche und so weiter,

na Sie wissen schon!

 

(Dr. Franz-Josef Degenhardt)

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Wir waren oh wehe
Im Hafen der Ehe 
schonmal eingeschifft 
Bündnis probiert
Kapituliert
Hatten ein Kriegsschiff erwischt 

Die schwiegermutter
Der Krabbenkutter
Hatte uns im Netz
wir haben ihr traut
ein Denkmal gebaut
den Drachenfels gesetzt 

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@Gouda: 

BALLADE VON DER UNZULÄNGLICHKEIT MENSCHLICHEN PLANENS

Der Mensch lebt durch den Kopf.
Sein Kopf reicht ihm nicht aus.
Versuch es nur, von deinem Kopf
Lebt höchstens eine Laus.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlau genug.
Niemals merkt er eben
Diesen Lug und Trug.

Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlecht genug.
Doch sein höhres Streben
Ist ein schöner Zug.

Ja, renn nur nach dem Glück
Doch renne nicht zu sehr
Denn alle rennen nach dem Glück
Das Glück rennt hinterher.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht anspruchslos genug.
Drum ist all sein Streben
Nur ein Selbstbetrug.

Der Mensch ist gar nicht gut
Drum haue ihn auf den Hut.
Hast du ihm auf dem Hut gehaun
Dann wird er vielleicht gut.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht gut genug
Darum haut ihm eben
Ruhig auf den Hut!

 

(Bert Brecht)

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IN DEN GUTEN ALTEN ZEITEN 

Dort im Südrandkrater, hinten an der Zwischenkieferwand,

wo im letzten Jahre noch das Pärchen Brennesseln stand,

wo es immer, wenn der Mond sich überschlägt, so gellend lacht,

drüben haust in einem Panzer aus der allerletzten Schlacht

jener Kerl mit lauter Haaren auf dem Kopf und im Gesicht,

zu dem, wenn es Neumond ist, unser ganzer Stamm hinkriecht.
Jener schlägt ein Instrument aus hohlem Holz und Stacheldraht

und erzählt dazu, was früher sich hier zugetragen hat

in den guten alten Zeiten.

Damals konnte, wer da wollte, auf den Hinterkrallen stehn.
Doch man fand das Kriechen viel bequemer als das Aufrechtgehn.
Der Behaarte sagt, sie seien sogar geflogen, und zwar gut.
Aber keiner fand je abgebrochene Flügel unterm Schutt.

Über Tage und in Herden lebten sie zur Sonnenzeit,

doch zum Paaren schlichen sie in Höhlen, immer nur zu zweit.
Ihre Männchen hatten Hoden und ein bißchen mehr Gewicht,

doch ansonsten unterschieden sie sich von den Weibchen nicht

in den guten alten Zeiten.

Damals wuchsen fette Pflanzen überall am Wegesrand,

doch sie abzufressen galt als äußerst unfein in dem Land.
Man verzehrte Artgenossen, selbst das liebenswerte Schwein,

doch die aufrecht gehen konnten, fraß man nicht, man grub sie ein.
Manchmal durfte man nicht töten, manchmal wieder mußte man.
Ganz Genaues weiß man nicht mehr, aber irgendwas ist dran.
Denn wer Tausende verbrannte, der bekam den Ehrensold,

doch erschlug einen einzlen, hat der Henker ihn geholt

in den guten alten Zeiten.

Wenn ein Kind ganz nackt und lachend unter einer Dusche stand,

dann bekam es zur Bestrafung alle Haaren abgebrannt.
Doch war's artig, hat's zum Beispiel einen Panzer gut gelenkt,

dann bekam es zur Belohnung um den Hals ein Kreuz gehängt.
Man zerschlug ein Kind, wenn es die Füße vom Klaver zerbiß,

doch man lachte, wenn's dem Nachbarkind ein Ohr vom Kopfe riß.
Blut'ge Löcher in den Köpfen zeigte man den Knaben gern,

doch von jenem Loch der Löcher hielt man sie Hieben fern

in den guten alten Zeiten.

Alle glaubten an den unsichtbaren gleichen Manitou,

doch der Streit darüber, wie er aussah, ließ sie nicht in Ruh.

Jene malten ihn ganz weiß und andre schwarz oder gar rot,

und von Zeit zu Zeit, da schlugen sie sich deshalb einfach tot.
Ob die Hand ganz rot von Blut war und die Weste schwarz von Dreck,

das war gleich, wenn nur die Haut ganz weiß war, ohne jeden Fleck.
Und den Mischer zweier Farben federte und teerte man

oder drohte ihm für nach dem Tode Feuerqualen an

in den guten alten Zeiten.

Und wer alt war, galt als weise, und wer dick war, galt als stark.
Und den fetten Greisen glaubte man aufs Wort und ohne Arg.
Und wenn Wolken sich am Abend färbten, freute man sich noch,

und man fraß ganz ruhig weiter, wenn die Erde brandig roch.
Denn vom Himmel fiel noch Wasser, und die Sonne war noch weit,

und der große Bär, der schlief noch, in der guten alten Zeit.
Und die Erde drehte sich nicht plötzlich rückwärts und im Kreis.
Doch man schaffte rüstig, bis es dann gelang, wie jeder weiß.
Und da war Schluß mit jenen Zeiten,

mit den guten alten Zeiten.

Und so hocken wir bei Neumond an der Zwischenkieferwand,

wo im letzten Jahre noch das Pärchen Brennesseln stand.
Und wir lauschen dem Behaarten, der sein Instrument laut schlägt.
Und wir lauschen, lauschen, lauschen nächtelang und unbewegt.
Und wir träumen von den guten alten Zeiten und dem Land,

wo man überall und jederzeit genug zu fressen fand.
Unsre Stammesmutter streichelt unser Jüngstes mit den Zehn,

manchmal seufzt sie: "Oh ihr Brutgenossen, war das früher schön

in den guten alten Zeiten!"

(Dr. jur. Franz-Josef Degenhardt) 

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ALTE FREUNDE 

Manchmal triffst du in deiner Stadt
jemanden wieder, und der hat
früher mit dir mal Motsche gemacht.
Jetzt bleibt ihr steh'n und fragt:
Menschenskind, Kerl, altes Haus,
siehst du denn aus?
Bist du noch? Hast du noch? Kannst du noch
und machst du noch?
Und ohne, daß es einer will,
seid ihr ganz plötzlich still,
ihr alten Freunde.
Zwischen euch grinst mit 'mal die Zeit
ihr Lachen aus Verlegenheit.
Ihr zählt ganz heimlich all die Jahre
und sucht eure wahre
Geschichte beim anderen im Gesicht,
und ihr find't sie nicht.
Glaubst du denn, hoffst du denn, wähnst du denn
und meinst du denn,
daß ihr noch etwas findet,
das euch verbindet,
euch alte Freunde?
Der hat zwei Kinder und 'ne Frau,
die irgendwas an den Nieren hat.
Dir wird beim Rauchen immer flau,
und du wohnst in'ner and'ren Stadt.
Der glaubt an guten Ruf, Geist und an Geld,
und dir kann dir Welt.
Merkst du nicht, fühlst du nicht,
siehst du nicht und riechst du nicht,
daß das ja nicht mehr klappt,
daß ihr euch nichts mehr zu sagen habt,
ihr alten Freunde?
 
(Dr. jur. Franz-Josef Degenhardt)

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Der Mann von nebenan 

Dankst du dem Mann von nebenan?
Der kommt zu spät,
und du kriegst den Zug.
Dem fehlen Haare,
und du hast genug.
Der verspielt im Lotto sein ganzes Haus,
und du kommst sonntags immer raus.
Wer gehört zu den neunundneunzig Prozent,
damit das eine dann traumlos pennt?

Immer der Mann, von nebenan.

Dankst du dem Mann von nebenan?
Wenn's regnet,
hat der seinen Schirm vergessen.
Du hast nie Appetit,
und der ist verfressen.
Der ist's, der in der Klammer steht,
damit dann deine Rechnung aufgeht.
Wem tut morgens der Abend schon weh?
Wer findet niemals den richtigen Dreh?

Immer der Mann, von nebenan.

Dankst Du dem Mann von nebenan?
Der ist Soldat,
wenn du Goethe liest.
Der trinkt Bier,
wenn der Schampus fließt.
Der bricht sich schon beim Schlafen ein Bein,
und du hast, selbst wenn du fällst, noch Schwein.
Wer bleibt da, wenn die Fahnen fallen?
Wer muß schließlich das Ganze bezahlen?

Immer der Mann von nebenan.

Dankst Du dem Mann von nebenan?
Wenn der mal stirbt,
denkt niemand dran.
Dir aber baut man
ein Monumang.
Den legt man schnell neben irgend 'nen Schuft.
und du kommst in eure Familiengruft.
Wer bleibt immer gänzlich tot?
Wer kommt niemals zum Lieben Gott?

Immer der Mann, von nebenan.

 

(Dr. jur. Franz-Josef Degenhardt)

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